Kalthaus bringt Fortschritt

Der Platz heute

Das Kalthaus[1] in Frielingen

Verschiedene Innenministerien der Bundesländer gaben Ende der 1950er-Jahre Richtlinien zur Förderung von Dorfgemeinschaftseinrichtungen heraus. Im Zuge der „Sozialen Aufrüstung der Dörfer“ sollten insbesondere auch die hygienischen Verhältnisse verbessert werden.[2] 1959 gründeten Frielinger Einwohner eine Kalthaus e.G.m.b.H. Im ersten Vorstand waren Fritz Kahle, Heinrich Müller und Heinrich Hanebuth.

Am 1. Juli 1959 wurde ein Vertrag über die Verpachtung eines Grundstücksteiles zwischen dem Landwirt Heinrich Öhlschläger (Nr. 28) und der Kalthaus e.G.m.b.H. geschlossen, um darauf ein Gebäude zum Betrieb einer Gemeinschafts-Gefrieranlage zu errichten. Es ist anzunehmen, dass das Land Niedersachsen zu den Baukosten von schätzungsweise 25.000 DM einen Zuschuss gab. Das Kalthaus bedeutete zu der damaligen Zeit ein Fortschritt hinsichtlich der Aufbewahrung von Fleisch und Wurst aus der eigenen Hausschlachtung sowie von Gemüse und dergleichen. Die Fleischhygiene bei den Hausschlachtungen verbesserte sich dadurch enorm. Außerdem bedeutete Gefrieren auch gleich Rationalisieren.

Das Gebäude erhielt einen Arbeitsraum, einen Einfrierraum mit tieferen Minusgraden und einen Raum mit Fächern, in denen die Lebensmittel bei bestimmten Minusgraden aufbewahrt wurden. Die Technik lieferte damals der noch heute bekannter Kühlgerätehersteller Linde (siehe Foto 150). Um die Vorräte zu entnehmen, wurde hier ein modernes Verfahren angewandt: Die Kühlfächer waren in einem drehbaren, und von außen zugänglichen karussellähnlichen Behälter angeordnet. Der Vorteil war, dass der eigentliche Kühlraum nicht betreten werden brauchte, weil jeweils eine senkrechte Reihe Fächer erreichbar war und damit auch ein zusätzlicher Kälteverlust unterblieb.

Die Mitglieder der e.G.m.b.H. konnten ein oder mehrere Fächer erwerben. Aus anderen Orten ist bekannt, dass dies dort mit einer einmaligen Einlage von 350 DM möglich war. Für die Bestreitung der laufenden Kosten wurde im Allgemeinen eine Umlage erhoben, ursprünglich etwa 30 DM pro Jahr.[3] Andere Dorfbewohner, die nicht Mitglied der Gesellschaft waren, konnten Fächer anmieten.

Etwa Ende der 1970er-Jahre setzten sich Kühltruhen in den Haushaltungen durch und immer mehr Mitglieder verloren das Interesse an einem Fach im Kalthaus. Obwohl eine Kühltruhe für den Hausgebrauch sicher wesentlich teurer zu beschaffen und zu betreiben war, spielte doch die damit verbundene Bequemlichkeit zunehmend eine große Rolle. Damit war der Zeit der Kühlhäuser ein Ende gesetzt.

Das Frielinger Kühlhaus ist ca. 2011 komplett umgebaut worden.

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[1] Nach mündlichen Angaben von Fritz Kahle und Heinrich Öhlschläger sowie Auswertung des Vertrages vom 1.7.1959.

[2] Vgl. zum Beispiel die Richtlinien des Innenministeriums für die Förderung von Dorfgemeinschaftshäusern in Hessen vom 29.1.1960 – Aktenzeichen IVg-II/6028.

[3] Siehe hierzu auch: „Der Fortschritt, der aus der Kälte kam.“, Frankfurter Rundschau vom 16.7.1994.